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Edgar Hilsenrath erzählt aus seinem Leben
Autor: Edgar Hilsenrath Sprecher: Edgar Hilsenrath, Ulrich Matthes Anzahl: 2 CD Spieldauer: ca. 135 Minuten Herausgeber: Aktives Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte e.V, Wiesbaden; Konzept, Redaktion und Interview: Gabriele Diedrich „Erzählte Erinnerung“ Preis ca. 19,50 €
„Deutsch war nicht die Sprache der Nazis. Es war meine Sprache“ meint Edgar Hilsenrath,Jahrgang 1926, und erzählt uns mehr als eine Stunde lang aus seinem Leben. Seine Stimme ist kraftvoll aber auch ein wenig rissig, wie die Farbe auf alten Bildern. Er spricht über seine glückliche Kindheit in Leipzig und in Halle, von Verfolgung durch den Nationalsozialismus, die Flucht der Familie in die Bukowina (Rumänien) und der Deportation zur Zwangsarbeit in Moglev Podolsk in Transistrien, heute Ukraine. Maßloses Elend, Hunger und Tod sind hier ständige Begleiter der jüdischen Menschen, die versuchten, täglich aufs Neue versuchten, eine Chance für das Überleben zu finden. Er dramatisiert nicht, er erzählt einfach und gerade deshalb empfinden wir das Leid die Gnadenlosigkeit menschlicher Grausamkeit so unüberhörbar und direkt.
1926 wird Hilsenrath als Sohn eines Pelzhändlers in Leipzig geboren. Zwölf Jahre später – 1938 – flüchtet er mit Mutter und Bruder in die Bukowina. 1941 erfolgt die Deportation in das Ghetto Moghilev-Podolsk in der heutigen Ukraine. Weitere Stationen seiner langen Wanderschaft sind Palästina (1945), Frankreich (1947) und schließlich die USA (1951).
Nach Deutschland kehrt er 1975 zurück. Hier ist er geblieben. Hier lebt er und schreibt er immer noch. Und davon erzählt er uns. Wir hören seine Stimme und wir fühlen die Nähe eines Menschen, der sein Leben überschaubar gemacht hat. Fern jeglicher Klage berichtet er und gerade dies ist es, was uns ins Herz trifft.
Gabriele Diedrich hat das Konzept entwickelt, das Gespräch behutsamen geführt, und in einer unaufdringlichen Bearbeitung die Konturen eines bewegten Lebens sichtbar gemacht. Auf der zweiten CD erfahren wir mehr über Hilsenraths Werk. Ulrich Matthis – wir kennen den Schauspieler in der Rolle von Josef Goebbels aus dem Film „Der Untergang“ – liest Passagen aus Hilsenraths Büchern. So vermischen sich der Mensch Edgar Hilsenrath und sein Werk zu einem eindringlichen Bild, das - weit über das Zeitgeschichtliche hinaus – eine zutiefst menschliche Dimension erreicht. Das macht auch dieses Hörbuch so außergewöhnlich.
Dem „Aktiven Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte“ verdanken wir dieses Hörbuch als eines in der Reihe „Edition Zeugen einer Zeit“, in der auch schon andere Zeitzeugen zu Wort kamen. Wir erinnern da an Trude Simonson und Arno Lustiger, zwei CDs, die wir im Rahmen unserer Hörbuch-Kritiken besprochen haben. Das der Scheibe beigefügte Booklet informiert umfangreich und gründlich nicht nur über Edgar Hilsenrath, es enthält auch eine Fülle zeitgeschichtlicher Daten, die als historischer Hintergrund zu Hilsenraths Geschichte von außerordentlicher Bedeutung sind.
So wird dieses Hörbuch, und darüber hinaus auch die Hörbücher anderer Autoren, die inder „Edition Zeitzeugen“ zu Sprache kamen, zu einem einmaligen und bewegenden Dokument unserer gemeinsamen Geschichte. Sie sollten es sich anhören.
Paulus Peternell
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