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Drachensaat

Autor: Jan Weiler Sprecher: Jan Weiler, Annette Frier, Matthias Haase u.a. Anzahl der CD: 3 Laufzeit: 240 Min. Verlag: Der Hörverlag - 2010 Preis: ab ca. 15 €
In der Gesellschaft krankt es an vielem, so wundert es niemand, dass auch immer mehr daran krank werden.
Dr. Zenz, ein älterer Psychotherapeut, hat seine eigenen Schlüsse gezogen. Es wundert ihn eigentlich, dass so wenige Menschen „ausflippen“ Mit dem Wegfall der moralischen Werte, mit der fortschreitenden Rücksichtslosigkeit der Allgemeinheit wird sich, laut Zenz, eine neue befreiende Notwehrmaßnahme, die sich in verschiedenen „Handlungsexcessen“ zeigt, ihren Weg bahnen. Es tritt in der Gesellschaft ein immer stärker werdender Wunsch nach Aufmerksamkeit ein, und die wird nach ökonomischen Aspekten in den Medien ausgelebt. Für ihn leiden immer mehr an dem von ihm benannten „Zenz-Syndrom“, welches unbewusst Menschen hervorbringt die „aufmerksamkeitsökonomisch“ agieren und in der Psychiatrie landen. Seit sieben Jahren analysiert er grenzwertige Vorfälle von Handlungsexcessen. So schart er die „besonderen Fälle“, die Ausgestoßenen, die nicht mehr richtig funktionieren in einer Villa im Südschwarzwald um sich. Dort will er weiter mit ihnen an seiner Forschung arbeiten.
Zuerst trifft dort Bernhard ein und nach und nach lernt er die anderen kennen. Alle waren mal im Blickpunkt der Medien, weil sie etwas getan haben, welches der Rest der Gesellschaft begierig in den Medien aufsog.
Sie werden im Projekt des Dr. Zenz mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert, um sie auf das vorzubereiten, was er als „Drachensaat“ bezeichnet. Dieses Wort bezieht sich auf die antike Sage des Jason, in welcher auch Drachenzähne eine Rolle spielen. Diese wurden in eine Ackerfurche geworfen, ließen eine Gesellschaft wachsen, die sich gegenseitig bekämpfte und bis auf fünf Überlebende, alles zerstörte. Doch diese fünf waren es dann, die am Ende in der Lage waren Frieden zu finden. So sind Bernhard und die anderen in Zenz Augen, eine neue Elite des Gewissens und der Moral. Zenz beschließt, dass sie gemeinsam dafür sorgen werden, das die Welt weiß, das es sie gibt. Doch das Projekt dazu gerät aus dem Ruder, denn die „Drachenzähne“ halten sich nicht mit der Theorie auf, sie sind schließlich „handlungsexcessives“ Verhalten gewohnt. Und so erfährt die Gesellschaft auch, dass es sie gibt….
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Eine Geschichte die durch ihre Andersartigkeit glänzt, und Menschen der Gesellschaft präsentiert, die wir gern aus der Entfernung, vor dem heimischen Fernseher konsumieren und sich an ihrer Abnormität ergötzen. Doch der Hörer wird schnell feststellen, dass es durchaus nachvollziehbar ist, warum der eine oder andere „austickte“. Ja sie werden sogar auf kumpelhafte Art zu Vertrauten. Sie haben sich schließlich das getraut, was andere nur zu träumen wagen.
Jan Weiler hat dazu ein medienverseuchtes Spektakel inszeniert, welches oft schmunzeln lässt, weil es so herrlich bekannt ist und dabei vor allem bewusst macht, wie krank das ganze Medienspektakel inzwischen ausgeartet ist.
Sprecherisch in dieser Hörspielvariante sehr gut umgesetzt, bringen sich alle Charaktere gekonnt in die richtige Position. Einzelne Passagen werden im Hintergrund mit verklärter oder nerviger Musik hinterlegt und die kleinen Übungen der Drachenzähne in der Real-Welt, verdeutlichen, dass man nicht weit gehen muss, um auf die „normal Wahnsinnigen“ zu stoßen.
So betrifft es uns alle, kommt aber nicht mit erhobenen Zeigefinger daher, sondern lässt vor allem aufhorchen. Unbedingt zu empfehlen!
Renate Prohaska
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