Die Frau mit dem Roten Tuch

Autor: Jostein Gaarder Sprecher: Beate Himmelstoß, Hans Kremer Anzahl der CD: 4 Laufzeit: 280 Min. Verlag: Der Hörverlag - 2010 Preis: 25 €
Sulrun und Steinn waren als junge Studenten unzertrennlich, lebten eine gerade symbiotische Liebe. Bis nach fünf Jahren ein dramatisches Ereignis ihrem Glück ein jähes, tragisches Ende bescherte.
Seither sind 30 Jahre vergangen. Da will es der Zufall - oder das Schicksal-, dass beide einen Nachmittag just in dem kleinen Landhotel verbringen, in dem damals das Ende seinen Anfang nahm. Aus dem rationalen, skeptischen Steinn ist ein anerkannter Klimaforscher geworden, ein Mann der harten Fakten, Daten und empirischen Beweise. Aus der verträumten, empathischen Sulrun eine engagierte Lehrerin, die ihren Halt in einem starken Glauben an Gott gefunden hat.
Aus dem ersten Kontakt nach so langer Zeit wird ein reger, täglicher Email-Verkehr und nur zögerlich wird aufgearbeitet, was damals geschah, nachdem sich beide den Schwur gaben, nie wieder über die Ereignisse dieser Herbsttage Anfang der 70er Jahre sprechen zu wollen. Fast scheint es, als könne nun überbrückt werden, was damals beide entzweit hat. Doch da greift das Schicksal wieder mit unerbittlicher Hand ein.
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Was ist die Erfindung der Email nicht für ein Segen für die Literatur. Nicht erst seit dem Erfolg „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer erlebt diese moderne Form des guten alten Briefromanes eine unverhoffte Renaissance. Anders als im geschriebenen Dialog lassen sich hier ohne Unterbrechungen komplexe Gedanken entwickeln und Befindlichkeiten beschreiben, ohne dass man diese aus den Handlungen der Figuren ableiten müsste. Gerade aber das gibt dieser Romanform mitunter einen etwas konstruiert wirkendes Erscheinungsbild. Und zum Hören ist ein solches Gedankenprotokoll nur noch bedingt geeignet, denn ein Zurückblättern und Nachlesen ist auf der CD nur eingeschränkt möglich.
„Die Frau mit dem roten Tuch“ ist kein leichtes Hörbuch. Dazu trägt zum einen die gewählte Form bei, die sich nur bedingt zur Übertragung auf ein Hörbuch eignet, zum anderen aber auch der Inhalt. Die stark philosophisch geprägte Diskussion der Fragen von Glaube und Wissenschaft, Schicksal und Zufall, Pantheismus und Christentum verlangt die ungeteilte Aufmerksamkeit des Hörers.
Die vom Verlag gewählten Sprecher bemühen sich redlich, dem philosophischen Diskurs Leben zu verleihen. Auch wenn manche Email mitunter ein klein wenig sehr emphatisch vorgetragen wird, so passen doch die Stimmen hervorragend zu den Protagonisten.
Alles in allem ein Hörbuch mit Tiefgang, das noch lange nachklingt, wenn man sich auf die Konstruktion und Form einlässt.
Christian Stotz
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