Der Tag an dem meine Tochter verrückt wurde

Der Tag an dem meine Tochter verrückt wurde

 

Autor: Michael Greenberg
Sprecher: Olaf Pessler
Anzahl der CD: 6
Laufzeit: 294 Min
Verlag: Lagato - 2010
Preis: ca. 16 €


Wenn ein Mädchen in der Pubertät "schwierig" ist, dann kennt das erst mal jeder. Doch als Vater erlebt Michael Greenberg dies zunehmend mehr und mehr auf absonderliche Weise. Sally wirkt auf bizarre Art äußerst provokant, nicht von dieser Welt. Erst als ein Polizeiauto vor seiner Tür hält, wird ihm klar,
dass dies mehr ist, wie eine "schwierige Phase". Dann in einem Krankenhaus folgt der nüchterne Schock, seine Tochter soll in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Immer noch in der Vermutung das es so schlimm doch nicht sein könnte, erhält er und seine Lebensgefährtin die Gewissheit, das seine Tochter psychisch krank ist, eine "Psychose" hat.
Nun folgt der lange Weg der Behandlung, er erlebt den Alltag in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung und den dort eigenen Verhaltensmustern mitsamt den Regeln, die wohl auch notwendig sind, um einen Rahmen zu schaffen, der seiner Tochter hilft.

Nach und nach wird ihm klar, das auch sein Bruder betroffen ist, dieser es jedoch auf eine andere Art zeigt. Um ihn kümmert er sich schon länger.
Schwieriger ist es, seine Ex-Frau, der Mutter von Sally dies näher zu bringen, die ihn dafür verurteilt, zugelassen zu haben, dass ihre gemeinsame Tochter in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Auch der Bruder von Sally hält das Ganze für einen Irrtum. Doch alle müssen schmerzlich erkennen, dass es so ist.

Sally selber hat Glück und findet eine Therapeutin, die ihr hilft mit ihrer Krankheit umzugehen, die es auch möglich macht, wieder einen Weg einzuschlagen, der sie wieder am Leben teilhaben lässt.


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Eine autobiografische Geschichte, die aus der Angehörigensicht aufzeigt, welches Gefühlswirrwarr von Ängsten, Sorgen und Zweifeln die unmittelbaren Bezugspersonen dabei erleben.
Sie werden in eine Grauzone der Gesellschaft katapultiert, gehören auf einmal zu einer Minderheit die ebenfalls lernen müssen, das Leben in dieser Facette anzunehmen wie es ist.
Ebenfalls befürchten sie, dass es keinen Weg nach draußen gibt und sind doch hin- und hergerissen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Alles daran zu setzen das "Unheilbarkeits-Stigmata" nicht zu akzeptieren, sondern jeden Schritt in die Realität zurückzugewinnen. Das dies möglich ist, zeigt diese Geschichte.

Olaf Pessler gelingt es gut, diese beiden voneinander wegdriftenden Welten sprecherisch dazustellen. Er vermittelt auf diese Weise die tief liegenden Bande der Betroffenen, ohne die es wohl kaum möglich wäre, einen gemeinsamen Rückweg in die "Normalität" anzutreten.

Wichtiger ist es jedoch mit Vorurteilen aufzuräumen. Transparent dargestellt, sind einige entrückte Gedankengänge von Sally, Anlass sich ruhig auch mal mit den Sichtweisen zu beschäftigen. Wenn denn die "Gesunden" diese Welt so schaffen wie sie ist, warum krankt es dann an so vielem?

Ein empfehlenswertes Hörbuch nicht nur für Angehörige, vor allem und erst Recht für die "Nichtbetroffenen", die hier Einblicke erhalten, die helfen könnten verkrustete Gedankengänge aufzuweichen.


Renate Prohaska