Der Koch

Der Koch

 

Autor: Martin Suter
Sprecher: Heikko Deutschmann
Anzahl der CD: 6
Laufzeit: 440 Min.
Verlag: Diogenes Verlag - 2010
Preis:  ca. 23 €


Maravan lebt als tamilischer Asylbewerber in der Schweiz. Aber obwohl er erfahrener und ausgebildeter Koch ist, findet er nur eine Anstellung als Spülhilfe im Nobelrestaurant „Chez Huwyler“, als unterstes Glied in der strengen Küchenhierarchie. Hier lernt er Andrea kennen, die als Kellnerin im Restaurant arbeitet, und verliebt sich in sie. Maravan will sie mit einem ayurvedischen Menü überraschen, wofür er sich einige der Geräte aus Huwylers Fundus ausborgt. Das Menü, eine Mischung aus molekularer Küche und traditionellen aphrodisierenden Rezepten verfehlt seine Wirkung nicht, doch wegen des unerlaubten Ausleihens von Restauranteigentum verliert Maravan seinen Job.

Andrea hingegen ist vollkommen irritiert über das, was Maravans Kochkünste bei ihr ausgelöst haben, denn eigentlich interessiert sie sich nicht für Männer. So kommt es, dass die beiden ihr eigenes kleines Unternehmen gründen, „Love Food“, das der Weisheit, dass Liebe durch den Magen gehe, eine ganz eigene Lesart hinzufügt.

Während „Love Food“, wenn auch ohne behördliche Genehmigung, zusehends floriert, verschärft sich die politische Situation durch den Bürgerkrieg in Maravans Heimat. So dauert es nicht lange, bis die ersten Emissäre der tamilischen Befreiungsfront bei Maravan anklopfen und ihn unverhohlen um finanzielle Unterstützung angehen.

Unter den illustren Kunden von „Love Food“ findet sich auch der zwielichtige Unternehmensberater Dahlmann, der mit Hilfe von Maravans Dinés so manch halblegales Geschäft einfädelt. Und so kommt es, dass Maravan Geld bekommt von Kunden, die es mit Waffenverkäufen an die Tamilen verdient haben, bezahlt mit Geld, das er in der Schweiz verdient und an die Befreiungskrieger gespendet hat; an Maravans Schicksal zeigt sich die Globalisierung in all ihrer Härte und Grausamkeit. Und Maravan findet seinen ganz eigenen Ausweg, die Welt ein ganz klein wenig besser zu machen.

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Martin Suter war schon immer ein gesellschaftskritischer Autor, doch ist „Der Koch“ sicherlich sein politischstes Buch, das zudem zeitlich genau in die Hochphase der Finanzkrise zwischen Sommer 2008 und Frühjahr 2009 angesiedelt wird, so dass aktuelle Ereignisse auch immer wieder zum Gesprächsgegenstand der Akteure werden.

Stilistisch wie immer tadellos, sprachlich präzise und pointiert, bleibt es jedoch auch in der hervorragenden und souveränen Lesung von Heikko Deutschmann hinter anderen seiner Büchern zurück. Suter packt zu viel Themen in die Story von Maravan; da sind das Leid und das Elend der vom Bürgerkrieg gebeutelten Zivilbevölkerung in Sri Lanka, die Probleme von Asylanten in Europa, skrupellose Geschäftemacher, Erpressung durch den langen Arm der tamilischen Bürgerkriegsparteien, die intrafamiliären Konflikte bei Migranten der zweiten und dritten Generation, die Finanzkrise, illegale Waffengeschäfte, Kindersoldaten in der Dritten Welt und und und – das alles ist schlichtweg zuviel für einen Roman von 270 Seiten, vieles bleibt nur angerissen.

Aber es ist Suters großer Könnerschaft zu verdanken, dass „Der Koch“ dennoch kein schlechtes Hörbuch ist, sondern gute Unterhaltung auf gewohnt hohem Niveau. Und die Beschreibung von Maravans Gerichten ist allein schon ein Erlebnis für sich.

Schade nur, dass Diogenes nur bei der Buchfassung die "Rezepte zum Nachkochen" beigelegt hat.

Christian Stotz