Der Schimmelreiter (Theodor Storm)

Genre: Klassiker
Anzahl CDs: 4
Spieldauer: 293 Minuten
Sprecher: Peter Franke
Verlag: Naxos
Preis: ca. 26 Euro
Erscheinungsjahr: 2002

Bei seinem nächtlichen Ritt über die nordfriesischen Deiche erlebt ein Reisender eine Begegnung der unheimlichen Art. Ein Geist auf einem Schimmel? Er schwebt im fliegenden Galopp über die Deiche am Meeresrand. Im Wirtshaus klären ihn die Dorfbewohner über den Spuk auf. Sie erzählen ihm die tragische Geschichte von Hauke Haien, einem Mann, der die Menschen über alles liebte und zum Kampf gegen die übermächtigen Naturgewalten antrat. Er erstellte neue und sichere Deichprofile. Nach physikalischen Einsichten ersonnen, sollten sie vor Sturmfluten schützen. Im Dorf stieß er bei seinem Plan auf den Widerstand der abergläubischen und Traditionen verhafteten Einwohner. Von einem Teufelspakt ist die Rede. Haukes Pferd gerät alsbald in Verdacht, ein "Geisterschimmel" zu sein. Hauke Haien – bereits zu Lebzeiten ist er eine unheimliche, angefeindete aber auch bewunderte Gestalt. Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu, als er eines Tages die in Aufruhr geratene See von seinem Schimmel aus beobachtet. Auch sieht er ein Kutschengespann mit seiner Frau Elke und seiner Tochter herannahen. Doch da ist noch etwas anderes. Eine Katastrophe bahnt sich an...

Storms erfolgreichste Novelle von 1888 beruht auf einer Schleswig-Holsteinschen Sage. Er hatte sie als Jugendlicher gelesen und im Alter nicht wieder gefunden: die Sage vom "gespenstigen Reiter", der immer dann auftaucht, wenn große Gefahr droht. Storm bastelte aus der Vorlage eine vielschichtige Erzählung. Sein Held bewegt sich im Spannungsfeld von Neid und Bewunderung, Wissenschaft und Aberglauben, Verantwortung und schuldhaftem Versagen. Kaum eine Figur der Novelle ist aber eindeutig gezeichnet im klassischen Schema von "Gut gegen Böse" – das gerade macht sie so reizvoll. Storms kritischer Blick gilt gleichermaßen den verkrusteten Traditionen wie auch dem ungebremsten Fortschrittsoptimismus der Moderne, der alle Probleme technisch zu lösen glaubt. Ein großes Lob für Peter Franke. Er liest die Novelle so, dass die handelnden Personen psychologisch nachvollziehbar werden – bei gleichzeitiger Wahrung des unheimlichen Charakters der Ereignisse.

Thomas Gärtner

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